Am traditionellen Weihnachtsessen der Jungwacht- und BlauringleiterInnen war 1998 die Jungwacht an der Reihe, Gastgeber zu spielen. Am Blauring war es folglich, ein Geschenk mitzubringen. Was sie uns überreichten, war ein eigenartiges Plüschherz. Es war just jenes, das hier im Titel abgebildet ist, und dem man überhaupt nicht ansieht, dass es im Original einen Durchmesser von etwa einem Meter hat. Es handelte sich, wie man lesen kann, um einen Gutschein für ein "Hair-Happening". Was das genau ist, darüber schwiegen die Blauringleiterinnen wie ein Grab, und so kamen jungwachtseitig die schlimmsten Befürchtungen auf. Vor seinem geistigen Auge sah man sich bereits mit einer abartigen frisurgewordenen Fantasie einer abgehobenen Blauringleiterin in der Gegend herumstolzieren. Der Anlass war aber ein voller Erfolg, und dass uns die BlauringleiterInnen ganz schön verwöhnt haben, siehst du rechts...

Wir besammelten uns wie befohlen beim Chamäleon, wo wir bald sahen, dass die vorgeschriebenen "nicht allzu schönen Kleider" und der Hinweis, wer zu spät komme, für den sei der Zug definitiv abgefahren, nur zu Verwirrzwecken den Weg in den Einladungsbrief gefunden hatten. Währenddem die Blauringleiterinnen schon geschäftig den Coiffeursalon von Beat Uboldi bevölkerten, baute sich vor dem Laden eine Traube von Jungwachtleitern auf, die offensichtlich zu ahnen begannen, was sie in etwa erwartete, und nun insgeheim mit sich ausmachten, wie weit sie bei der Umgestaltung ihrer Haartracht zu gehen bereit sein würden. Um solch folgenschwere Entscheidungsprozesse ein wenig zu erleichtern, wurde zuerst einmal ein Aperitiv ausgeschenkt.

Danach wurden wir vom Chef persönlich begrüsst. Er stellte seine Belegschaft vor, die, wie sich später herausstellen solllte, massgeblich am äusserst erfreulichen Ausgang des Events beteiligt war, und lüftete dann vollends den letzten Schleier, der noch immer die genauere Wesensart eines "Hair-Happenings" umgab.

Was uns da angeboten wurde, war haargenau das, was sich der verwahrloste Leiter schon immer für sein Haar gewünscht, sich aber nie zu fragen getraut hatte. Wer sich sein Haar nur gerade waschen wollte, konnte dies tun, und wer einen Haarschnitt wünschte, dem liessen die professionellen Coiffeusen (und nicht die Blauringleiterinnen...) einen solchen angedeihen. Die exzentrischeren unter den Leitern waren gar zum Bleichen, Tönen oder Färben ihres Haares eingeladen. Thöme Langs Wunsch war gar so ausgefallen, dass sich Beat Uboldi in einer mehrstündigen Sitzung eigenhändig darum kümmerte. Wer die überwältigende Fülle des Angebots nicht verkraftete, konnte sich bei einer Hand- oder Nackenmassage entspannen.


Um der Gediegenheit des Anlasses gerecht zu werden, wurde immer wieder mal ein Gläschen Weisswein oder ein Schälchen mit Snacks gereicht, und noch bevor sich der Wunsch nach einer Hauptmahlzeit richtig breit machen konnte, wurde auch prompt eine Pizza angeliefert, auf dass das Gefühl wohliger Verwöhntheit nicht vom Hunger getrübt werde.

Nun gab es allerdings auch Leiter, die schon mit faktisch kahlgeschorenem Kopf gekommen waren, so dass sich eine langwierige Prozedur kaum lohnte. Der Baby-Brand andererseits wollte seiner Dreadlocks nicht verlustig gehen, und verzichtete aus diesem Grund auf eine weiterführende Behandlung. Für solche Fälle lagen genügend Comics und andere Magazine bereit, und so wurde auch ihnen der Abend nicht lang (und wie im ersten Bild gesehen gab es ja auch genügend andere Attraktionen).

Ein paar vereinzelte Leiter hatten wohl der Sache doch nicht so ganz getraut, und stiessen erst zu uns, nachdem der Anlass schon fast gelaufen war. Als sie jedoch registrierten, was hier vor sich ging, liessen auch sie sich noch schnell mit einer neuen Frisur versehen. Sogar Nick Tobler sprang über seinen Schatten, und kürzte seine Haare um bis zu zwei Zentimeter.


Niemand hatte vor dem Anlass genau gewusst, wie er aussehen würde, wenn er wieder nach Hause kommt. Einige, zum Beispiel der Michelli und der Bouvi, liessen sich zu einer Frisur überreden, die sie sicher nicht erwartet hatten, freuten sich aber sichtlich darüber.

Andere wie David Just nutzten die Gelegenheit, sich ganz genau jene Haarfarbe zu verpassen, die sie in absehbarer Zeit eh hätten anbringen lassen wollen, und haben so nebenbei Geld gespart.


Nach diesem äusserst originellen Anlass plagt uns nur ein Gedanke: Was schenken wir bloss nächstes Jahr dem Blauring? Also wir hätten da an ein Teeth-Happening gedacht, haben aber noch keine Zahnarztpraxis gefunden, die das zu einem realistischen Preis macht. Aber über den Preis spricht man bekanntlich nicht, und so fragen wir uns auch nur ganz im Stillen, ob jetzt eigentlich der Blauring so reich oder Beat Uboldi so grosszügig war... Wie dem auch sei, für alle Beteiligten gilt: Merci, merci, merci!

pipau


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